
Canones: The Art of Harmony
Die so genannten Kanontafeln der christlichen Evangelien sind ein absolut bemerkenswertes Merkmal der frühen, spätantiken und mittelalterlichen christlichen Manuskriptkulturen in Ost und West, deren Erfindung gemeinhin Eusebius zugeschrieben und auf die ersten Jahrzehnte des vierten Jahrhunderts nach Christus datiert wird.
Als technisches Hilfsmittel zur Strukturierung, Organisation und Navigation der vier in einem einzigen Codex vereinigten Evangelien gedacht - und dabei auf früheren Bemühungen aufbauend und diese vollendendend - waren die Kanontafeln offenbar von Anfang an eine hochkomplexe Kombination aus Text, Zahlen und Bildern, die zu einem integralen und festen Bestandteil aller Handschriften wurde, die die vier Evangelien als Heilige Schrift der Christen enthielten, und die als beispielhaft für die Entstehung, Entwicklung und Verbreitung einer spezifischen christlichen Handschriftenkultur in Ost und West zwischen 300 und 800 n. Chr.
angesehen werden kann. In den Fußstapfen von Carl Nordenfalks meisterhafter Publikation von 1938 und einigen wenigen nachfolgenden Beiträgen bietet dieses Buch einen aktualisierten Überblick über das Thema 'Kanontafeln' in vergleichender Perspektive und mit einem genauen Blick auf ihren Entstehungskontext, ihr visuelles Erscheinungsbild, ihre Bedeutung, Funktion und ihren Gebrauch in verschiedenen Zeiten, Bereichen und Kulturen.