
Prosody in Syntactic Encoding
Welche Rolle spielt die Prosodie bei der Erzeugung der Satzstruktur? Eine Standardvorstellung besagt, dass die Prosodie aus der Abbildung einer hierarchischen syntaktischen Struktur auf eine lineare Abfolge von Wörtern resultiert. Eine radikal andere Auffassung sieht bestimmte Intonationsmerkmale als integrale Bestandteile der syntaktischen Struktur an.
Eine andere Auffassung geht davon aus, dass Prosodie und Syntax parallele Systeme sind, die sich gegenseitig bedingen, um eine oberflächliche Satzform zu erhalten. Die verschiedenen Standpunkte spiegeln die unterschiedlichen Funktionen wider, die die Prosodie haben kann: Einerseits ist die Prosodie ein Signal für die Syntax, das z. B.
Konstituentengrenzen markiert. Andererseits sind prosodische oder intonatorische Merkmale bedeutungstragend; das Konzept des „intonatorischen Morphems“ (z.
B. als Vertreter von informationsstrukturellen Begriffen wie Thema oder Fokus) stellt Prosodie und Intonation direkt in die syntaktische Darstellung. Die in diesem Buch versammelten Vorschläge befassen sich mit dem komplizierten Verhältnis von Syntax und Prosodie bei der Kodierung von Sätzen.
Die Beiträge stützen sich dabei auf solide empirische Belege, indem sie Daten aus Experimenten oder aus der sorgfältigen Analyse natürlicher Sprache anführen. Der Band bietet somit einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung an der Schnittstelle zwischen Syntax und Phonologie.