
State and Nature
Ein viel geschmähtes Merkmal des antiken und mittelalterlichen politischen Denkens ist die Tendenz, sich auf die Natur zu berufen, um Normen für menschliche Gemeinschaften aufzustellen.
Von Aristoteles' Behauptung, der Mensch sei ein politisches Tier, bis hin zu Aquins Berufung auf das Naturrecht scheint es, dass die Philosophen der Vormoderne nur allzu bereitwillig davon ausgingen, dass alles, was natürlich ist, auch gut ist, und dass gerechte politische Regelungen irgendwie natürlich sein müssen. Die Beiträge in dieser Sammlung zeigen, dass diese Annahme bestenfalls zu grob ist.
Schon sehr früh, etwa in der Gegenüberstellung von nomos und physis durch die antiken Sophisten, wurde erkannt, dass politische Regelungen nicht natürlich, sondern künstlich sein können, und es ist fraglich, ob selbst so vermeintliche Naturalisten wie Aristoteles tatsächlich den schnellen Schluss von natürlich auf gut ziehen. Die Beiträge in diesem Band zeichnen die komplexen Zusammenhänge zwischen der Natur und Konzepten wie Recht, Legitimität und Gerechtigkeit nach und decken dabei einen weiten historischen Bereich ab, der von Platon und den Sophisten über Aristoteles, die hellenistische Philosophie, Cicero, die Neuplatoniker Plotin und Porphyr, antike christliche Denker bis hin zu Philosophen des islamischen und christlichen Mittelalters reicht.