
Symbolism
Besonderer Schwerpunkt: „Unterlassung“, herausgegeben von Patrick Gill.
In der gesamten Literaturgeschichte und in vielen Kulturen begegnet man dem geschickten Einsatz auffälliger Abwesenheiten, um dem Rezipienten eine imaginierte Realität vor Augen zu führen. Der Begriff „Auslassung“, wie er in der vorliegenden Studie verwendet wird, bezeichnet also ein häufiges künstlerisches Phänomen: ein Schweigen, eine Leerstelle oder eine Abwesenheit, die entgegen den generischen oder erfahrungsbedingten Erwartungen des Rezipienten eingeführt wird, aber dennoch häufig den Tenor des gesamten Werks umreißt. Solche Auslassungen können aufgrund ihres affektiven Potenzials eingesetzt werden, wenn die durch den Text dargestellten oder hervorgerufenen Emotionen als unaussprechlich empfunden werden. Sie können genutzt werden, um erkenntnistheoretische Fragen aufzuwerfen, wenn eine Auslassung die Grenzen dessen markiert, was man wissen kann. Auch ethische Fragen können durch Auslassungen angesprochen werden, wenn beispielsweise die Stimme einer Figur weggelassen wird. Schließlich birgt die Auslassung immer auch das Potenzial, die Medien und Gattungen, auf die sie angewendet wird, zu reflektieren: Da ihre Wirksamkeit von den generischen Erwartungen des Rezipienten abhängt, ist die Auslassung häufig durch ein hohes Maß an Metadiskursivität gekennzeichnet. Der Band untersucht die verschiedenen Strategien, mit denen das Phänomen des Weglassens in unterschiedlichen Textformen und Kulturen eingesetzt wird, um seinen Status als hochwirksame und nahezu universelle Form der künstlerischen Signifikation schlüssig zu begründen.