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The Power of Tolerance: A Debate
Wir berufen uns bei Konflikten auf das Ideal der Toleranz, aber was bedeutet es, auf Konflikte mit einem Ruf nach Toleranz zu antworten? Ist Toleranz ein Weg zur Lösung von Konflikten oder ein Mittel, sie aufrechtzuerhalten? Wandelt sie Konflikte in produktive Spannungen um oder verewigt sie die zugrunde liegenden Machtverhältnisse? Inwieweit verbirgt Toleranz ihre Verstrickung mit Macht und fungiert als eine Form der Entpolitisierung? Wendy Brown und Rainer Forst debattieren über den Nutzen und Missbrauch von Toleranz, ein Austausch, der trotz einiger politischer Gemeinsamkeiten die grundlegenden Unterschiede in ihrer kritischen Praxis deutlich macht.
Beide Wissenschaftler befassen sich mit den normativen Prämissen, Grenzen und politischen Implikationen der verschiedenen Toleranzkonzepte. Brown übt eine genealogische Kritik an den zeitgenössischen Diskursen über Toleranz in den westlichen liberalen Gesellschaften und konzentriert sich dabei auf die ihnen innewohnenden Verbindungen zu Kolonialismus und Imperialismus, während Forst eine intellektuelle Geschichte der Toleranz rekonstruiert, die versucht, ihre politische Tugend in demokratischen Gesellschaften zu retten.
Brown und Forst arbeiten aus unterschiedlichen Perspektiven und Traditionen heraus, bleiben aber beide wachsam gegenüber der Unterwerfung und Abneigung, die unter anderem in Toleranzdiskursen zum Ausdruck kommt. Das Ergebnis ist ein Dialog, der reich an kritischen und konzeptionellen Überlegungen zu Macht, Gerechtigkeit, Diskurs, Rationalität und Identität ist.