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Inventing the Classics: Modernity, National Identity, and Japanese Literature
Heute bezeichnet der Begriff japanische Literaturklassiker Texte wie das Man'yoshu, das Kojiki, das Märchen von Genji, das Märchen der Heike, das Noh-Drama und die Werke von Saikaku, Chikamatsu und Basho, die als Quelle und Verkörperung der japanischen Tradition und Kultur gelten. Die meisten dieser Texte wurden jedoch erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu Klassikern, und zwar in einem Prozess, der eng mit der Entstehung Japans als moderner Nationalstaat und der radikalen Neugestaltung der Vorstellungen von Literatur und Bildung unter westlichem Einfluss zusammenhing. Wie in Europa und anderswo war die Konstruktion einer Nationalliteratur und -sprache mit einer vermeintlich antiken Abstammung von entscheidender Bedeutung für die Schaffung eines eigenen Nationalstaates.
Dieses Buch befasst sich mit der Frage der nationalen Identität und mit der Art und Weise, wie die modernen europäischen disziplinären Vorstellungen von Literatur und Gattungen eine wichtige Rolle im modernen Kanonisierungsprozess spielten. Diese Klassiker besaßen keinen inhärenten, unveränderlichen Wert, sondern ihr Wert wurde von verschiedenen Institutionen und Individuen im Zusammenhang mit sozioökonomischer Macht produziert und reproduziert. Wie also wurden diese Texte aufgewertet und verwendet? Welche Arten von Werten wurden ihnen zugewiesen? Wie war dieser Prozess mit größeren sozialen, politischen und religiösen Konstellationen verbunden?
Dieses Buch, das sich eingehend mit jedem der großen Klassiker befasst, untersucht diese Fragen in einem breiten historischen Kontext, vom Mittelalter, als mehrere Kanons miteinander konkurrierten, bis zur frühen Neuzeit und Moderne. Die Aufsätze konzentrieren sich auf die Rolle der Schulen, der Kommentatoren und der sozio-religiösen Institutionen sowie auf Fragen der Geschlechter. Das Ergebnis ist ein neuer Blick auf den Wandel des japanischen Kanons und seine enge Verbindung mit der Frage der nationalen und kulturellen Identität.